Konstruktivität – was ist das überhaupt?

 

Von Konstruktion, über Konstruktivismus bis Konstruktivität

In Konstruktivität steckt konstruieren, was vom lat. „construere“ abstammt und zusammenschichten, erbauen, errichten bedeutet. Man kann z. B. ein Haus konstruieren oder ein kompliziertes, technisches Gerät indem man es entwirft und baut. Auch Sätze kann man konstruieren, indem man Wörter und Satzglieder nach den Regeln der Grammatik logisch zusammensetzt. Oder man kann ein ganzes Gedankengebäude konstruieren.

Construere taucht zum ersten mal im 16. Jh. auf. Später entwickelte sich im 20. Jh. daraus das französische „constructeur“ (Entwerfer, Gestalter, Erfinder, Konstrukteur). Konstruktivität wird daher sehr oft mit technischen Konstruktionen in Verbindung gebracht. Oder manchmal mit dem philosophischen Konstruktivismus, welches eine Position der Erkenntnistheorie ist und im Wesentlichen davon ausgeht, dass wir unsere Realität selbst konstruieren. Immanuel Kant (1724-1804) wird stellenweise als erster Konstruktivist bezeichnet, wobei andere Autoren auch frühere Philosophen nennen.

In der Politik,  im Sport und in der Kommunikation

Konstruktivität hat in vielen Bereichen in den Sprachgebrauch gefunden wie z. B. auch in der Politik. Das konstruktive Misstrauensvotum (Weimarer Verfassung 1919), welches ein Mehrheitsbeschluss eines Parlaments, eines Gremiums, der Regierung oder einem oder mehreren Regierungsmitgliedern das Vertrauen zu entziehen [und deren bzw. dessen Rücktritt zu erwirken] (Zitat aus Duden online). Konstruktiv ist das Misstrauensvotum deswegen, weil gleichzeitig ein neuer Kandidat gewählt wird, um die Regierung aufrecht erhalten zu können.

Im Sport, wenn z. B. ein Fußball-Trainer in der Pause eine aufbauende und ermutigende Rede an die Manschaft hält.
Und die Fußballer sich wieder einen Siege, trotz Rückstand, vorstellen können – und konstruktiv in die zweite Hälfte des Spiels gehen.

Oder in der Kommunikation allgemein.
Dann hört man Äußerungen wie, „Es freut mich sehr, dass die Verhandlung so konstruktiv verlaufen ist“, oder „Komm, lass uns wieder konstruktiv an einem Strang ziehen!“. Sogar die Bundeskanzlerin verwendet Konstruktivität: „Wir werden versuchen, konstruktiv zu sein.“ (Schwäbische Zeitung 01. Juli 2019)

Aber was ist nun Konstruktivität?

Das Erschaffen einer Konstruktion ist Konstruktivität, Punkt.
Das ist die erste und ursprüngliche Definition.
Die zweite beinhaltet eine bestimmte Werthaltung.
Hier ein Vorschlag, für eine Definition:

Konstruktivität, ist
das Phänomen, das auftaucht, wenn aufbauende, zielführende und sinnvolle Kräfte freigesetzt werden, um (in den meisten Fällen) zur Lösung eines Problems beizutragen und um einen Schaden zu verhindern

Konstruktivität ist etwas grundlegend Positives:

  • Konstruktivität verbessert die Kommunikation
  • Konstruktivität verringert Konflikte
  • Konstruktivität verbessert die Stimmung
  • Konstruktivität führt zu Wohlbefinden
  • Konstruktivität steigert die Motivation
  • Konstruktivität fördert Entwicklung
  • Konstruktivität aktiviert Umsetzung
  • Konstruktivität führt zu Problem-Lösungen
  • Konstruktivität lässt Krisen überwinden
  • Konstruktivität führt zu mehr Erfolg

Die positive Kraft der Konstruktivität, steckt in Menschen, Teams und Organisationen. Sie kann vieles in eine gute Richtung lenken, wenn sie mehr verstanden, freigesetzt und genutzt wird.