Wie Konflikte die Identität stärken

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Wie Konflikte die Identität stärken

Was uns die Pandemie auf alle Fälle beschert hat: eine Menge zusätzlicher Auseinandersetzungen und Konflikte. Aber ist das so schlecht?

Konflikte können sehr anstrengend und kräftezehrend sein. Wenn Sie z. B. mit einem Kollegen schon wieder über den nicht aufgeräumten Arbeitsplatz diskutieren müssen, obwohl Sie es doch vereinbart hatten. Oder wenn heftige Auseinandersetzungen unter Teammitgliedern stattfinden und Sie versuchen zu vermitteln, und keiner will wirklich zu einer Lösung beitragen. Oder auch innere Konflikte. Wenn Sie vor einer wichtigen Entscheidung stehen und Sie sich innerlich immer wieder zwischen den Alternativen mental hin und her bewegen. Solche Grübeleien können auf Dauer sehr anstrengend sein. Im schlimmsten Fall verhärten sich die Positionen zwischen den Konfliktparteien immer mehr, wodurch der Stresslevel steigt und die Emotionen hochkochen. Was nicht selten sogar zu Handgreiflichkeiten oder auch Kriegen führt. Dann hat sich die Spirale der Destruktivität immer mehr ausgeweitet und die Gegner gemeinsam in den Abgrund gezogen.

Ja, Konflikte haben eine dunkle Seite … und auch eine helle.

Konflikte als wirkungsvolle Impulsgeber

Konflikte bringen Ansichten an die Oberfläche, die sonst vielleicht verborgen geblieben wären. Konflikte führen zu Aussprachen, die schon lange anstehen. Durch die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Positionen entwickelt man mehr Alternativen und eine neue Klarheit, die zu einer besseren Lösung führt. Konflikte können viele Lerneffekte begünstigen: Die Reflexionsfähigkeit verbessert sich, die Soziale Kompetenz wird geschult und die Emotionale Intelligenz erhöht sich.

Und vor allem: Konflikte stärken die Identität!

„Ja, das bin ich wirklich!“

Der Kern einer Persönlichkeit ist die Identität. Er besteht aus den Anteilen, mit denen man sich am meisten identifizieren kann. Wenn jemand zu Ihnen sagt: „Du bist ein besonders kreativer Mensch!“ Und Sie dieser Aussage nachspüren und eine emotionale Übereinstimmung stattfindet: „Ja, das stimmt, das passt zu mir – so bin ich wirklich.“ Dann können Sie sich mit dieser Aussage identifizieren, da Sie zu Ihrer Identität gehört. Im Gegensatz dazu bemerken Sie die Unstimmigkeit, wenn etwas nicht zu Ihrer Identität passt: „Nein, ich sehe mich eher nicht als besonders kreativ. Ich bin eher ein guter Organisator.“

Angriff auf das Identitätsgefühl

Wenn wir mit anderen Personen über bestimmte Themen diskutieren, findet nicht nur im Außen eine Auseinandersetzung statt, sondern auch im Inneren. Wir kommen in Kontakt mit unseren eigenen Werten und Überzeugungen.

Jemand sagt etwas, das nicht zu den eigenen Werten passt. Dann müssen wir dagegen argumentieren, weil es nicht zu unserer Identität passt. Dann kann es sein, dass wir uns im Kern der Persönlichkeit angegriffen fühlen. Besonders dann, wenn das Gegenüber starke Argumente parat hat, die die eigenen Überzeugungen ins Wanken bringen. Man wird verunsichert: „Stimmt das überhaupt, was ich glaube oder liege ich vielleicht komplett falsch?“.

Und genau in dieser Verunsicherung liegt die Chance!

Mut zur Selbstüberprüfung

Die eigene Identität entwickelt sich im Laufe des Lebens und wirkt überwiegend unterschwellig. Sie ist schwer zu greifen, weil sie aus vielen Facetten besteht und man diese selten überprüft. Meistens in Krisen und Konfliktsituationen, wenn die Persönlichkeit besonders gefragt ist, fängt man an, sich selbst zu hinterfragen. Wenn wir offenbleiben und weiter die Ansichten und Überzeugungen mutig überprüfen, auch auf die Gefahr hin, dass wir vielleicht entdecken müssen, uns die ganze Zeit geirrt zu haben, dann können wir zu tieferen und stimmigeren Haltungen finden.

Denn genau das macht eine starke Identität aus: Mut zur Selbstüberprüfung!

Konflikte stärken die Identität, weil stimmigere Werte und Überzeugungen entdeckt und in die Pertsönlichkeit integriert werden können.

Heißt das nun, dass man sich nie festlegen soll? Nein, ganz im Gegenteil. Es geht darum, sich immer wieder zu öffnen, zu überprüfen und wieder festzulegen. Und wenn man in einem Konflikt bemerkt, dass eine Ansicht einfach nicht zur eigenen passt, dann braucht man diese auch nicht mehr zu überprüfen.

Mit 5 Konfliktfragen der Identität auf der Spur

Wenn Sie mal nach einer hitzigen Diskussion die Zeit zur Reflexion haben, können Sie folgende Fragen verwenden. Diese helfen dabei, seine Identität näher kennenzulernen:

  • Welche Aussage hat mich am meisten verärgert?
  • Warum genau hat mich diese Aussage verärgert?
  • Welchen Werten und Überzeugungen widerspricht diese Aussage?
  • Welches ist der Antiwert?
  • War ich schon immer jemand, dem … besonders wichtig war?
  • Was hat mir dieser Konflikt gezeigt?

Ein kurzes Beispiel:
Sie hatten eine hitzige Diskussion mit Ihrem Kollegen …

Welche Aussage hat mich am meisten verärgert?
„Es ist doch egal, ob wir dem Kunden ein überteuertes Produkt verkaufen. Das blicken die doch sowieso nicht!“

Warum genau hat mich diese Aussage verärgert?
„Diese Aussage hat mich verärgert, weil ich das unfair finde“.

Welchen Werten und Überzeugungen widerspricht diese Aussage?
„Mir ist Fairness wichtig. Diese Aussage widerspricht meinem Grundwert Respekt“.

Welches ist der Antiwert?
„Der Antiwert ist Respektlosigkeit – das mag ich überhaupt nicht.“

Was hat mir dieser Konflikt gezeigt?
„Mir war schon immer Respekt sehr wichtig – das macht mich aus, das gehört zu meiner Identität.“

Nicht alle Konflikte müssen zwingend etwas mit der Persönlichkeit zu tun haben. Es gibt auch Sachkonflikte, bei denen es in der Auseinandersetzung um die rationale Überprüfung von Pros und Kontras geht. Konflikte, bei denen man das Gefühl hat, zu jemanden gemacht zu werden, der man nicht sein will, beinhalten viel Erkenntnis – und Entwicklungspotenzial.

FAZIT

Konflikte können sehr anstrengend sein, bergen aber auch viel Entwicklungspotenzial.
Besonders interessant ist die Stärkung der eigenen Identität, durch die Klärung der Werte und Überzeugungen in der Auseinandersetzung mit anderen Positionen. Um sich besser kennenzulernen, muss man nicht unnötige Konflikte erzeugen. Aber wenn ein Konflikt stattfindet, bietet sich die Chance der konstruktiven Selbstklärung. Wie man sein will und vor allem wer man sein will, wird in Konfliktsituationen besonders deutlich. Werden diese Erkenntnisse genutzt, wird der Kern der Persönlichkeit positiv gestärkt.

Ich wünsche Ihnen viel Stärkung!

Ihr Thomas Grenz

 

Die drei Alternativen

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Mit drei Alternativen direkt in den Lösungsmodus

Aus heiterem Himmel funktioniert der Computer nicht mehr, plötzlich ist die Kollegin beleidigt, überraschend ist das Konto nicht gedeckt. Auf einmal geht nicht mehr so weiter, wie man es sich erwartet hatte. Man erlebt ein Problem und das fühlt sich selten gut an.


Feststecken im Teufelskreis

Steckt man zu lange im Problemerleben fest, kann es zu weiteren negativen Auswirkungen kommen. Das Denken kreist immer wieder um die gleichen Themen, was zusätzliche Energie braucht. Man spürt immer mehr, wie die Selbstwirksamkeit verloren geht und irgendwann will man nicht mehr. Die Motivation sinkt und die Frustration steigt.

Dann herrscht ein Teufelskreis: Je mehr Probleme man erlebt, umso handlungsunfähiger wird man. Und je handlungsunfähiger man wird, umso mehr Probleme entstehen. Deswegen ist es so wichtig, frühzeitig in den Lösungsmodus zu gelangen.


Fokussiert … aber auf das Falsche

Wenn ein Problem herrscht, dann ist das so, als ob man vor einer verschlossenen Tür steht. Oft besteht das eigentliche Problem nicht darin, dass die Tür momentan zu ist, sondern dass man glaubt, man müsste genau jetzt durch genau diese Tür. Der Computer muss jetzt funktionieren, die Kollegin muss jetzt wieder gut drauf sein, das Konto muss jetzt wieder gedeckt sein. Es gibt nur einen Weg und der führt genau durch diese Tür, davon ist man überzeugt.

In solchen Momenten schaltet unser Gehirn in den Stressmodus. Die Energie wird gebündelt und die Wahrnehmung eingeschränkt. Wir sind dann zwar fokussierter, aber nicht wirklich auf eine Lösung. Im Gegenteil: Wir rütteln nur noch mehr und mit aller Kraft an der einen Tür. Und das Problemerleben verstärkt sich zusätzlich. Was tun?


So gehts raus!

Öffnen Sie sich für Alternativen und werten Sie diese nicht sofort ab. Treten Sie einen Schritt zurück und schauen Sie nach links und rechts. Meistens gibt es mehrere Türen, die auch zu einer Lösung führen. Diese Türen kommen einem vielleicht nicht so wichtig vor. Aber genau darin liegt der eigentliche Lösungsweg.

Effektive Teams z. B., zeichnen sich oft darin aus, dass jeder seine Ideen einbringen kann, ohne dass sich darüber lustig gemacht wird. Es herrscht die Erlaubnis zu einem offenen Brainstorming. Vielleicht führen die Ideen nicht sofort zu einer Lösung, sie dürfen aber sein, und das ist entscheidend.

„Problemerleben entsteht durch das Nichtsehen oder Abwerten von Alternativen.
Lösungserleben entsteht durch das Sehen und Ernstnehmen von Alternativen.“


Eine einfache Übung, die sogar Leben verändern kann

Es gibt viele Wege, in den Lösungsmodus zu gelangen, einer führt über die Übung: „Die 3 Alternativen“. Sobald ein Problem auftaucht, stellen Sie sich folgende Frage: „Welche 3 Alternativen gibt es?“. Und dann achten Sie auf die Ideen, die Ihnen spontan einfallen und lassen diese einfach mal gedanklich so stehen.Das können Dinge sein, wie z. B.: Ich warte mal kurz ab, ich könnte jemand nach Hilfe fragen, ein Spaziergang könnte guttun …

Dadurch weitet sich die Wahrnehmung und man fühlt, dass man gerade auf dem Weg zu einer Lösung ist, wodurch man gelassener wird. Vielleicht hat man die richtige Tür noch nicht gefunden, aber man merkt wieder mehr Selbstwirksamkeit und Lösungskompetenz. Oft führen die einfachen Alternativen bereits zu einer Lösung oder es fallen einem weitere ein, die dann die richtigen sind. Sie lassen mindestens drei weitere Türen zu und werten diese nicht sofort ab, sondern lassen sie mal offen stehen – das ist konstruktiver.

Im Übrigen: Diese Übung habe ich vor vielen Jahren kennengelernt, sie hat mein Arbeiten und Leben nachhaltig zum Positiven beeinflusst.


FAZIT

Probleme gehören zum Arbeiten und Leben dazu. Es ist normal, dass Engpässe auftauchen und auch wieder verschwinden. Es gibt die kleinen Alltagsprobleme und die großen Baustellen. Manche Türen verschließen sich unerwartet und neue öffnen sich. Alternativen zuzulassen, zu sehen und ernst zu nehmen führt in direkt in den Lösungsmodus.

Ich wünsche Ihnen viele Lösungstüren!

Ihr Thomas Grenz

Der Mini-Schritt

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